10 Lache | Lehrte
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10 Lache | Lehrte

Lisa Premke

Mo-So 0-24 Uhr

REINHÖREN

Der 2016 fertiggestellte Neubau des Parkhauses steht direkt auf dem Grundstück des 1982 errichteten Vorgängerbaus, das abgerissen werden mußte. Der Neubau mit sechs, statt drei Parkebenen ist doppelt so hoch und hat in der Mitte des Gebäudes einen dreieckigen Lichthof. Aufgrund der stützenfreien Bauweise, den weiß gehaltenen Parkebenen und den halbtransparenten Lamellen an der Fassade ist das Gebäude im Inneren erstaunlich hell und ohne Sichteinschränkungen. Der Blick nach außen von den oberen Parkebenen erstreckt sich über Lehrte und reicht bei schönem Wetter bis zum Harz. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Parkhaus befinden sich der Lehrter Bahnhof, eine Durchgangstraße und die Fußgängerzone, die für eine relativ laute Geräuschkulisse sorgen.

Die Klanginstallation von Lisa Premke setzt sich mit der Funktionalität des Gebäudes auseinander, die bei der Wahrnehmung und Nutzung öffentlicher Gebäude meist im Mittelpunkt steht. Die verschiedenen Ebenen des Parkhauses werden für Fahrzeuge durch Rampen erschlossen, die sich schlaufenförmig nach oben schrauben und dann in gegenläufige Rampen wieder nach unten führen. Eine Begegnung von Fahrzeugen wird so ausgeschlossen und ein Bewegungsmuster festgelegt. Die schraubenförmigen Fahrbahnen erinnern an Kugelbahnen von Kinderspielzeug, die unterschiedlich zusammengesteckt einen Rollparcours für Murmeln bilden. Ein solches Spielzeug steht im Kontrast zur Funktionalität eines Parkhauses.

Lisa Premke setzt sich in ihrer Arbeit LACHE mit Bewegungsmustern auseinander und fügt der funktionalen Seite des Parkhauses eine spielerische hinzu. Ort der Installation im Parkhaus ist das Atrium, in das eine frei hängende dreieckige Fläche eingefügt wird, die zwischen der dritten und vierten Etage schwebt. Die doppelten Stegplatten, aus der die Fläche zusammengefügt ist, sind semitransparent und ermöglichen beim Blick von unten wie von oben auf die Fläche dennoch eine gewissen Durchsichtigkeit.

Auf der Fläche befinden sich rote Glasmurmeln, die mit Hilfe von Aluminiumprofilen am Rand auf der Fläche gehalten werden. Durch mechanische Seilzüge, die von Hand bedient werden können, wird die Fläche etwas in Bewegung versetzt und die Glaskugeln kommen zum Teil ins Rollen, stoßen wieder zusammen oder gegen die Aluminiumumrandung, wobei jeweils unterschiedliche Geräusche entstehen. Vom leisen Klack beim Zusammenstoß zweier Kugeln bis zum voluminöseren Prasseln ist der Klang abhängig von der Anzahl der ins Rollen gekommenen Kugeln, aber auch von den Witterungsverhältnissen. Da sich über dem Atrium kein Dach befindet, wird die Fläche bei Regen nass, was die Rolleigenschaft der Glasmurmeln ebenso beeinflusst wie Wärme. Stets findet sich eine größere Anzahl von Glasmurmeln wieder zu einer LACHE zusammen, ein Phänomen, das der Arbeit auch ihren Titel verliehen hat.

Zusätzliche temporäre mechanische Eingriffe mit einem Besen lassen die Kugeln mit höherer Geschwindigkeit auseinanderrollen und aufeinanderprallen sowie neue Laufrichtungen einschlagen. Der Klangeffekt wird dadurch verstärkt.

Die rote Farbigkeit der Glasmurmeln erhöht die optische Wirkung der Arbeit, so ermöglicht sie die Sichtbarkeit der Kugeln von unten. Die Verwendung eines kleinen Kinderspielzeugs wie einer Glasmurmel im Kontext einer großen funktionalen Architektur stellt einen gewissen Kontrast dar. Fragen zur Bewegungsfreiheit und zu Bewegungsmustern, seien sie physikalischer oder psychologischer Natur werden mit der Arbeit thematisiert, ebenso wie der Einfluss öffentlicher Gebäude und deren architektonische Gestaltung im Alltag. Ein Parkhaus, dessen Aufenthaltsqualität meist sehr niedrig ist, erhält aufgrund der Klanginstallation temporär eine veränderte Aufmerksamkeit.

 

www.lisapremke.de

Reinhören: Andreas Hagelüken

Text: Julienne Frank

Video-Stills: Lars Beuko

Ort der Klangkunst-Installation

Parkhaus | Lehrte

Öffnungszeiten

Mo-So 0-24 Uhr